
»Im blauen Himmel nur Pigmente«
du bist nicht hier. stattdessen jene palmen,
die sich gen himmel hungern, blau und glatt,
und die alleen schraffieren (…)
Jan Wagner
kalifornische Sonette*
Die Ausstellung Im blauen Himmel nur Pigmente mit Arbeiten von Matthias Moravek und Sebastian Speckmann versucht eine künstlerische Vermessung heimlicher und unheimlicher Landschaften, die aus Farbe und Linie gleichermaßen gedacht ist.
Mit Mitteln der Malerei (Matthias Moravek) und der Druckgrafik (Sebastian Speckmann) untersuchen die Arbeiten den Zusammenhang zwischen Form und Natur sowie die Bezüge zwischen Landschaften und der Geschichte ihrer künstlerischen Abbildung. Weite Himmel und unklare Seetiefen bieten dem Publikum dabei immer wieder alternierende Perspektiven und hinterlassen einen kaleidoskopartigen Eindruck. Durch sichtbare Bildkonstruktionen und unauflösbar fragmentierte Narrative thematisieren die Arbeiten unterschiedliche Kontextualisierungen von Bildräumen und damit unser immer wieder ambivalentes Verhältnis zur Natur.
Matthias Moravek (*1976, lebt und arbeitet in Berlin) setzt sich in seinen oft kulissenhaft gestaffelten Malereien spielerisch mit Inhalt, Form und Farbe von Räumen und Phänomenen wie Wolken, Wäldern und Wirbeln auseinander und lotet dabei den weiten Bereich zwischen Abstraktion und Figuration aus. In der Ausstellung zeigt er landschaftlich assoziierte Bildräume, die zwischen Tiefenräumlichkeit und Fläche hin und her wechseln und kanadische Waldbrände ebenso thematisieren wie malerisch erdachte Untiefen. Der Einbezug von Sprech- und Gedankenblasen bricht die Sprachlosigkeit der Malerei auf und fordert den Betrachter auf, die Szenen weiter zu denken. Der Bezug seiner Motive reicht dabei von exotischen Reiselithographien der Kunstgeschichte bis hin zu den digitalen Bildräumen der Gegenwart.
Fein und detailliert ausgearbeitet lassen die Bilder von Sebastian Speckmann (*1982, lebt und arbeitet in Leipzig) szenenhafte Landschaften und Bildmotive vor dem Auge der Betrachter entstehen. Die Bilder wirken seltsam vertraut, zugleich spannungs- und geheimnisvoll. Auf der langen Tradition der Europäischen Druckgrafik aufbauend, besitzen die Linolschnitte ein eigenes erzählerisches Potenzial und fesseln durch ihre technische Ausarbeitung. Durch Andeutungen oder durch Situationen, die für den Betrachter nicht aufzulösen sind, arbeiten die Bilder in dessen Fantasie ´ weiter und beziehen ihn in die Inhaltliche Ausgestaltung der jeweiligen Motive mit ein. So kommt es nicht von ungefähr, dass die einzelnen, höchst stimmungsvollen Bilder unterschiedliche Lesarten für den individuellen Betrachter bereit halten.
Die titelgebende Lyrik von Jan Wagner, in dessen Zeilen die Landschaften bisweilen ihre künstlerische Abbildung in sich selbst tragen, bildet einen übergreifenden Bezug zu beiden Bildsprachen: teils zart, teils spröde, manchmal bedrohlich, voll durchscheinendem Witz, immer jedoch in eine präzise, fast modellhafte Form gebracht.
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*aus: Jan Wagner: „Die Live Butterfly Show“, Hanser Berlin, 2018

Eintritt 5,- Barzahlung vor Ort am Veranstaltungstag
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